Kaffee-Welthandel Überblick

Der Kaffee-Weltmarkt seit 1945

Ab 1945  fanden keine wesentlichen Verschiebungen im Kaffee-Anbau mehr statt. Einen Sonderfall bildet Vietnam, was gesondert behandelt wird. Die Behandlung der Kaffeegeschichte unter dem Gesichtspunkt “Verbreitung der Pflanze” ist damit abgeschlossen und das entprechende Kapitel unter “GESCHICHTE/ Verbreitung der Pflanze” wird als Teil der Entwicklung des Welthandels hier weitergeführt.

Die Verteilung der Wertschöpfung im Kaffeehandel sah bis in die frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts noch so aus, daß die Erzeugerländer ca. 10-12 Milliarden Dollar einnahmen und der Gesamtmarkt ca. 30 Milliarden Dollar erbrachte. Um die Jahrtausendwende setzte eine historische Preiskrise ein, die die Relationen für die Erzeuger dramatisch verschlechterte: Der Gesamtmarkt erbrachte über 70 Milliarden Dollar, während die Einahmen der Erzeugerländer auf 5 Milliarden Dollar einbrachen. Das stürzte viele Kleinbauern und die Erzeugerländer mit Kaffee als Hauptexportgut in absolutes Elend. Uganda, Äthiopien und Burundi z.B. erwirtschaften wesentliche Teile  ihrer Exporte mit grünem Rohkaffee.

Kolonialismus und Sklavenhandel

Der Welthandel mit Kaffee seit dem frühen 18. Jahrhundert war zunächst geprägt vom Zeitalter des Imperialismus und den kolonialen Eroberungen Europas.
Der Sklavenhandel spielte eine entscheidende Rolle für den Kaffeeanbau, wie auch für andere agrarische Rohstoffe, z. B. Baumwolle und Zuckerrohr. Auch zur Gewinnung von Edelmetallen und Diamanten wurden afrikanische Sklaven eingesetzt. Die Sklaverei wurde offiziell zuletzt von Brasilien Ende des 19. Jhd. abgeschafft. Brasilien war damals mit 80-90% am Kaffeewelthandel beteiligt (heute 30%).  Die Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei bilanziert aktuell über 20 Millionen Sklavenarbeitsverhältnisse, was den Umfang der historischen Sklaverei durch Raub und Verschiffung im Rahmen des Dreieckshandels Europa-Afrika-Neue Welt übertrifft.

Schädlinge

Schon früh wurden Kaffee-Schädlinge zum Problem. Als erste Kolonialmacht war Holland davon gravierend betroffen.

Kaffeeabkommen und die ICO

Im 19. Jahrhundert begann der Versuch durch internationale Abkommen den Kaffeemarkt zu stabilisieren um Ungleichgewichte in Angebot und Nachfrage zu vermeiden. Das letzte große Kaffee-Abkommen, das quotierte Regelungen enthielt, lief 1989 aus. 1963 wurde bereits die Internationale Kaffeeorganisation (ICO)  in London gegründet, die seither versucht eine gewisse Koordination des Kaffeemarktes zu gewährleisten »(www.ico.org). Bisher wurde aber kein neues Abkommen mit Quoten und Preisen abgeschlossen. Die ICO arbeitet als Unterorganisation der UN und hat als Mitglieder Erzeuger (45 Mitglieder) -und Verbraucherländer (35 Mitglieder) sowie große, internationale Roh-Kaffeehändler und Röster. Im Gegensatz zu FAIRTRADE und anderen Labeln hat die ICO kein System von Mindestpreisen als Ziel sondern koordiniert begleitende Maßnahmen zur Regulierung des Marktes bzgl. Handelsstandards, Statistik, Qualitätsmanagement usw. Sie repräsentiert momentan 97% der Erzeugerländer und 80% der Verbraucherländer (2009).

Börse und Warenterminhandel

Kaffee wird seit langem an der Börse gehandelt. Er ist Teil der spekulativen Warentermin-Geschäfte, die regelmäßig den Boden realen Warenhandels verlassen und sich zu Spekulationsblasen verselbständigen. Zuletzt geschah dies, als der Blue-Chip Wahn platzte. Danach stiegen auch große Hedge-Fonds und Derivate-Händler in den Markt agrarischer Rohstoffe ein. Seither findet sich in beinahe jedem Monatsbericht der ICO der Hinweis auf den volatilen Charakter des Kaffeemarktes – also eine Verzerrung durch spekulative Einflüsse, die mit realem Warenhandel nichts zu tun haben.

Fragen der Statistik

Bei der Betrachtung des Welthandels spielt natürlich Statistik eine entscheidende Rolle.

Kaffee wird im allgemeinen in Säcken à 60 kg gehandelt und bilanziert. Teils werden aber auch Metrische Tonnen angegeben. Einkaufs-und Verkaufspreise werden manchmal auf das englische Pfund bezogen (lbs).  Wer selbst recherchieren möchte sollte daruf unbedingt achten!

Bei Vergleichen von erzeugtem grünen Rohkaffee und dem letztlich gerösteten und verkauften Kaffee muß der Röstverlust berücksichtigt werden. Das sind ca. 15% Gewichtsverlust durch das Rösten. Aus einer Tonne Kaffee werden so nur  850 kg verkaufbarer, gerösteter Kaffee. Umfassende statistische Angaben findet man bei der ICO, wo man online alle möglichen Jahres-oder Monatsbezogene Daten der Mitgliedsländer abrufen kann, ebenso die Weltstatistik.

Kaffeesteuer

Der geröstete Kaffee wird z.B. in Deutschland mit einer Kaffeesteuer belegt, die € 2.19 pro kg beträgt. Das spielt eine entscheidende Rolle beim Vergleich von Endverbaucherpreisen zwischen Ländern mit und ohne Kaffeesteuer.

Zölle

Ein besonderes Problem stellen Einfuhrzölle der großen Verbraucherländer dar. Grundsätzlich ist es ja im Interesse der Erzeugerländer und deren Exportbilanz möglichst hochwertige Güter zu exportieren, was beim Kaffee bedeutet, ihn nicht nur als grünen Rohkaffee, sondern auch geröstet zu exportieren. Die europäischen Zölle z.B. führen aber zu einer Wettbewerbsverzerrung für Röstkaffee aus Kaffeeländern.

Schiffs-Transport

Kaffee wird vom Hafen der Erzeugerländer per Schiff zunehmend nicht mehr in Säcken sondern in Containern transportiert. Hierzu wurden eigene Techniken und Standards entwickelt, um die Qualität der Ware nicht zu beeinträchtigen. Ein Container enthält ca. 27 Tonnen Kaffee. Das Equipment und der Einkauf von Dienstleistungen im Hafen zur Befüllung der Container stellt eine Hürde für Kleinproduzenten oder Genossenschaften dar.

Großhändler

Innerhalb des Rohkaffeewelthandels haben sich große Händler marktbeherrschende Stellungen verschafft. Teils betreiben sie eigene Plantagen (Uganda, Vietnam, Brasilien), teils spekulieren sie an der Börse und meist haben sie entscheidende Stellen im Aufkauf-und Transportwesen bis hin zu Hafen-Lagerequipment in den großen Verbrauchsländern. So ein Händler ist z.B. die deutsche Neumann Kaffee Gruppe, relativ unbekannt weil sie nicht selbst rösten und deshalb im Endverbrauchermarkt nicht auftauchen. Die Neumann-Gruppe gilt als Nr. 1 im Rohkaffeegeschäft.  Ein weiterer Großhändler ist z.B. Volcafé aus der Schweiz als zweitgrößter Rohkaffee-Händler weltweit (geschätzte  720 000 Tonnen Handelsvolumen)

Grünkaffeehändler, Röster und Einzelhandel: Monopolisiert

2004 hat die FAO als Unterorganisation der UNO ihren regelmäßigen Bericht zur Lage der Agrarmärkte herausgebracht. (»The State of  Agricultural Commodity Markets 2004«) Darin ist dokumentiert, wie stark der Kaffeemarkt von den Grünkaffee-Händlern, über die Röster bis zum Einzelhandel  monopolisiert ist.

Es haben 4 Händler 39% | 3 Röster 45 % | 30 Lebensmittelketten 33%
Marktanteile und bedienen 500 Millionen Verbraucher mit Kaffee.

(Die angegebenen Röster heißen heute anders oder haben ihr Kaffee-Geschäft in eigenen Firmen untergebracht)

 

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FAO Coffee-Chain Macht-Konzentration

Monopolisierung innerhalb der Kaffee-Welthandelskette