Kaffee-STORIES

Balzac

Honoré de BALZAC:

Der Kaffee gleitet hinab in den Magen und alles gerät in Bewegung …

Honoré de Balzac (1799–1850),  französischer Romanschriftsteller behandelte in seiner »Abhandlung über die modernen Reizmittel« natürlich auch den Kaffee, dem er verfallen war. Er bezieht sich dabei häufig auf seinen Zeitgenossen Brillat-Savarin, der den Klassiker der Gourmet-Literatur verfaßte: »Der Mensch ist, was er isst«.

»Zu diesem Thema [Kaffee] äussert sich Brillat-Savarin bei weitem nicht ausreichend. Einiges kann ich dem, was er über den Kaffee sagt, hinzufügen, da ich auf eine Art und Weise von ihm Gebrauch mache, die es mir erlaubt, seine Wirkungen in großem Maßstab zu beobachten.

Der Kaffee ist ein innerlich wirkendes Röstmittel. Viele Menschen schreiben dem Kaffee die Macht zu, Geist zu verleihen; aber jedermann konnte sich schon vergewissern, daß die Langweiler noch langweiliger werden, nachdem sie welchen getrunken haben. Obwohl die Lebensmittelhändler in Paris bis Mitternacht geöffnet haben, werden bestimmte Autoren nicht geistreicher.«

Der fanatische Kaffeetrinker Balzac schreibt weiter über seine Leidenschaft:

»Der Kaffee gleitet hinab in den Magen, und alles gerät in Bewegung: die Ideen rücken an wie Bataillone der großen Armee.

Erinnerungen treffen im Sturmschritt ein. Die Artillerie der Logik braust heran. Die geistreichen Einfälle greifen als Scharfschützen ins Gefecht ein.

Die Gestalten kostümieren sich, das Papier bedeckt sich mit Tinte, die Schlacht hebt an und endet unter Strömen schwarzer Flut, so wie die wirkliche Feldschlacht in Pulverrauch ertrinkt.«

Honoré de Balzac, Caffee – Thee – Tabac, manhold-verlag.bremen, 1993

Balzac ist mit 51 Jahren nachweislich an einer Koffeinvergiftung gestorben.

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