Klimawandel: Kaffeeschädling Blattrost grassiert in Südamerika

Collins Assiandu von der ugandischen GUMUTINDO-Fairtrade-Genossenschaft zeigt ein vom Blattrost (engl. leafrust) befallenes Blatt. Foto: alexkunkel-may2013-uganda-mount-elgon

Der Kaffeeschädling Blattrost (Hemileia Vastatrix) grassiert in Süd-und Mittelamerika. Grund ist der Klimawandel, der den Pilz von bisher 1000m auch auf 2000m Höhe klettern läßt.
Immer höhere Temperaturen auch in dieser für den Arabica-Anbau wichtigen Zone machen den Kaffee-Farmern das Leben noch schwerer, als es ohnehin schon ist. Im Spanischen heißt der Pilz „Roya“ (Rost) – benannt nach den rostroten Flecken, die er auf den Blättern hinterläßt.

 

Ein zusammenfassender Artikel von Marvin Perez bei Bloomberg-online vom 11.September 2014 (englisch):

„Blattrost schleicht sich quer durch Lateinamerika in immer höhere Lagen. In Guatemala z.B. beobachtete man den Pilz bisher nur in Höhen bis 1000m, so berichtet Nils Leporowski, Präsident der Nationalen Kaffee-Organisation (ANACAFE). Jetzt wird er aber auch auf 2000m Höhe gefunden.“

Der Artikel schildert das Dilemma der organisch zertifizierten Kaffee-Farmer, von denen es in Peru sehr viele gibt: Entweder Chemie einsetzen und die Lizenz verlieren oder den Pflanzen beim Sterben zuzusehen. Zitiert wird ein organisch arbeitender Farmer, der mehr Guano-Dünger braucht um seine Pflanzen widerstandsfähiger zu machen, was ihn aber beinahe das Doppelte kostet.

Aus diesem Grund ist der organisch produzierte Kaffee in USA sehr teuer geworden und hat sein enormes Potential der vergangenen Jahre eingebüßt – das Wachstum von 30% pro Jahr ging bei Packungen auf 7% zurück. Nur im Ausschank sieht es noch gut aus:

„Von 2009 bis 2013 hat sich der Einzelportionsverkauf von organischem Kaffee in USA von 823 Mio $ auf 3.58 Milliarden $  mehr als vervierfacht“. Artikel

book-transp-white-100pxLiteratur / Hinweise / Links:



Die wesentlichen Informationen aus dem Bloomberg-Artikel in einer Grafik zusammengefasst. Die Zahlen vor den Ländernamen geben den Rang an, wo das jeweilige Land 2008 bei der Weltproduktion von Kaffee stand. Peru und Mexiko haben Plätze eingebüßt.  Die beiden Länder sind bisher führend in organischer Produktion.


 

wikiBei Wikipedia werden die Symptome wie folgt beschrieben: Kaffeerost befällt Arabica-Sorten und führt durch die Besiedlung der Blätter zu Laubabwurf der Sträucher. Insgesamt wird das vegetative Wachstum der Pflanzen stark geschwächt und bei Massenbefall können ganze Bestände absterben. Auf den Blättern bilden sich kreisrunde weiße bis gelbliche Flecken unterschiedlicher Größe, teilweise mit einem Uredosporenbelag. Befallene Blätter werden nekrotisch und sterben nach kurzer Zeit ab.

Der Artikel weist auf Resistenzzüchtungen aus Portugal hin, legt aber den Schwerpunkt auf die Chemiekeule zur Bekämpfung


 

PDFEin Infoblatt der „American Phytopathological Society“ erklärt die Krankheit grundsätzlich und weist auf die hohe Bedeutung gerade des Blattrostes für die gesamte Kaffeewirtschaft hin. Besonders informativ ist die ausführliche Beschreibung des historischen Verlaufs der Blattrost-Krankheit. Sie hat mehr als einmal die gesamte Kaffee-Ökonomie durcheinandergeschüttelt.


 

WEBDie Internationale Kaffee-Organisation (I.C.O.) hat zum Thema Kaffee-Rost eine Sonderseite im web bereitsgestellt.


 

PDFEin grundsätzliches Dokument der Internationalen Kaffee-Organisation vom Mai 2013 macht die Ausmasse des Befalls klar.
Der Klimwandel wird aber nur so erwähnt, daß man sich daran anpassen müsse. Klare politische Forderungen gegen die weitere Klimagasproduktion als Ursache der Misere fehlen vollständig. Es ist zu befürchten, daß die „Adaption“ an den Klimawandel – möglicherweise nicht nur bei Kaffee – den Pestizid-und Fungizidherstellern Auftrieb gibt. Das sind in der Regel große internationale Konzerne. Siehe auch in diesem Blog:

Sündenregister-05: Pestizide auf Großplantagen in Brasilien blog


 

Bitterer Tee – Pestizide beim Tee-Anbau blog