Sündenregister-04: Nestlé – NESPRESSO und Kinderarbeit

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170px-Nestle-logo.svgDie Organisation Multiwatch beobachtet die Aktivitäten der größten in der Schweiz beheimateten Rohstoffkonzerne. Darunter fällt auch NESTLÉ. Hier der Überblick von Multiwatch zu NESTLÉ:

Nestlé ist ein multinationales Unternehmen mit Sitz im Schweizerischen Vevey (VD). Der Konzern wurde 1867 von Henri Nestlé gegründet und ist heute der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern.

Nestlé ist globaler Marktführer im Geschäft mit Mineralwasser, Kaffee, Eiscrème und Schokolade.

Alljährlich trumpft die Geschäftsleitung mit neuen Rekordzahlen auf.

Der seit Jahren anhaltende Trend, mehr Gewinn trotz sinkenden Investitionen und Finanzkrise lässt vielen AktionärInnen das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Für Angestellte und LieferantInnen bedeutet diese Politik der rücksichtslosen Gewinnmaximierung hingegen oft eine akute Verschlechterung der Arbeits- und Handelsbeziehungen. Zusätzlich profitiert Nestlé in umfassendem Masse von seiner Tätigkeit in Ländern, in denen Bürgerkriege herrschen und der Rechtsstaat weitgehend ausser Kraft gesetzt ist.

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Wahnsinn mit Methode: NESTLÉ »NESPRESSO«

Am Beispiel der NESPRESSO-Kapseln und der zugehörigen Maschinen werden die Widersprüche des technischen Fortschritts im Kapitalismus besonders deutlich.

Zunächst ist die Sinnhaftigkeit einer solchen Innovation natürlich völlig fragwürdig: Ein System, das jede Portion Kaffee einzeln in Alu-Kapseln verpackt ist umweltpolitisch der Wahnsinn mit Methode. Aber ein Welt-Konzern wie NESTLÉ hat eine Marktmacht durch seinen Werbe-Etat und seine Vertriebswege, die die organisierte Verschwendung von Ressourcen zur Kulthandlung stilisieren hilft.

»Ab 1991, nachdem der Marketing-Fachmann Jean-Paul Gaillard die Führung bei Nespresso übernommen hatte und das System mit dem Maschinenpartner Krups international angeboten wurde, wurde Nespresso stärker im Markt. Den Durchbruch zum heutigen Erfolg brachte George Clooney, der von Nespresso-Chef Gerd Berssenbrügge als ideale Werbefigur engagiert wurde.« (Wikipedia)

NESPRESSO bei Wikipedia

Rund um das Kapselsystem ist ein regelrechter »Kapselkrieg« entbrannt, weil andere Hersteller Nachahmer-Produkte auf den Markt brachten. Darum wurde zunächst mit immensen Summen prozessiert, weil NESTLÉ sein System mit 13 000 (!) Patenten abgesichert hatte. Dennoch wurden Kapsel-Klone zugelassen. Der ehemalige Entwicklungschef bei Nestlé, der die Kapselidee hatte, ist mittlerweile als Konkurent auf dem Markt und produziert eine angebliche »Bio-Kapsel«, die aber garnicht so bio ist, wie die Stiftung-Warentest ermittelt hat – Aluminium ist da auch enthalten.

Der Kapselkrieg und die Profiterwartungen mit dem system spielt auch eine Rolle bei der jüngsten Konzentrationsbewegung von Firmen auf dem Weltkaffeemarkt. Die Firma KRAFT FOODS (Jacobs) hatte ihren Kaffeebereich ausgelagert in die Firma MONDELEZ, der jetzt von Reimann/DOUWE EGBERTS übernommen wurde  (siehe Sündenregister-06 Monopolisierung) 

Kinderarbeit für Kakao – und bei Kaffee?

Ausbeuterische Kinderarbeit wurde in den letzten Jahren besonders auch in der Kakaoproduktion in der Elfenbeinküste (Westafrika) thematisiert und beobachtet. Der Film „Schmutzige Schokolade“ nimmt dabei auch NESTLÉ ins Visier. Auf den Kaffee-Plantagen von NESTLÉ dürfte es nicht viel anders aussehen.
Spiegel – Mittwoch, 06.10.2010

Hamburg – Ein Kind kostet 230 Euro. Der Kakaobauer aus der Elfenbeinküste sagt das, als ob Kinderhandel das Normalste auf der Welt wäre. „Wenn ihr meinem Bruder sagt, wie viele ihr braucht, dann besorgt er sie euch.“ Der Mann spricht über Sklavenarbeiter, Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, die aus Mali und anderen Nachbarstaaten entführt werden, um auf den Plantagen der Elfenbeinküste zu arbeiten.

Bauern wie er beliefern die ganze Welt. 42 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion stammen aus der Elfenbeinküste. Schon lange verdächtigen Hilfsorganisationen die Schokoladenindustrie, von Sklavenhandel und Kinderarbeit in dem westafrikanischen Land zu profitieren. Der dänische Filmemacher Miki Mistrati ist nach Afrika geflogen, um Beweise zu finden. Und er fand sie: Seine Reportage „Schmutzige Schokolade“ zeigt, wie das Geschäft der Menschenhändler funktioniert – und wie die Süßwarenkonzerne davon profitieren.

Spiegel-online-Artikel

ARD Mediathek VIDEO »Schmutzige Schokolade«