Rösters Reise-Reportage

Kaffee-Ernte und viel Arbeit danach

Am Morgen gibt es ein Frühstück mit Kaffee und viel Milch, eine süße Banane und frisch geröstete warme Erdnüsse. Dann geht’s zur Kaffee-Ernte. Ihr Sohn Dan nimmt mich mit zu einer Gruppe, die mitten im Gelände unter Matoke Bäumen bereits pflückt. Die Kaffeebäume haben erstaunlich wenig Blätter, tragen aber reichlich Früchte und müssen deshalb teils mit Stangen abgestützt werden. Maximal ein Viertel kann aktuell geeerntet werden, weil der Rest noch völlig grün ist oder erst langsam orangerote Färbung bekommt. Die knallroten reifen Früchte hängen mitten zwischen den Unreifen. Mir wird klar, was Handernte bedeutet: Jede Kirsche wird sorgsam einzeln vom Zweig gepflückt – die Grünen sind die Ernte in einem oder zwei Monaten, sie dürfen nicht beschädigt werden. Die Zweige sind extrem flexibel. Höhere Zweige werden zur bequemeren Arbeit einfach nach unten gebogen.

Das Gelände ist abschüssig und der Boden vom vielen Regen aufgeweicht. Sofort hat man einen riesigen Klumpen der roten afrikanischen Erde am Fuß hängen. Ein unbedachter, schneller Schritt und man rutscht aus. Die Gruppe von 8 Leuten arbeitet zusammen jeweils an zwei Bäumen und alle unterhalten sich lebhaft. Der filmende und fotografierende Gast ist nicht selten Thema, wie ich an den Blicken zu mir hin sehe.

Wir  ernten einige Eimer voll und machen uns auf zur Schälmaschine. Schält man den Kaffee nicht sofort kann er Schaden nehmen. Schon einen Tag Lagerung sieht man nach dem Schälen an der dunkleren Farbe der Bohnen.

Die Kirschen werden zuerst in einen Plastikzuber gekippt, halbvoll und dann viel Wasser darüber gegossen. Sofort kommen dutzende Kirschen nach oben, weil sie leichter als Wasser sind. Sie werden sorgfältig abgeschöpft, weil sie irgendeinen Defekt haben müssen. Das nennt man „Flooding“ (Wässern) und die schlechten Kirschen heißen „Flooders“. Ich denke natürlich sofort an die gleichnamige Fernsehserie, die meine afrikanischen Freunde aber nicht kennen.

 Klick: Die einzelnen Schritte der Kaffee-Produktion am Berg auf Farmebene

Die kleinen Handschälmaschinen haben einen Trichter in dem sich am Boden die gerippte Walze dreht, angetrieben vom Handrad. Die Rippen lassen nur Raum für die Bohne, das Fruchtfleisch wird abgequetscht und landet hinter der Maschine. Vorne kommt teils auch etwas Pulpe mit raus, das muß später schnell aussortiert werden. Über dem Bottich an der Vorderseite liegt ein Blech mit dutzenden Öffnungen, die gerade eben eine Bohne durchlassen. Damit wird restliches Fruchtfleisch noch abgestreift, wenn man die Bohne durchdrückt. Meist wechselt man sich dabei ab: Einer dreht die anstrengende Kurbel, der andere quetscht die Bohnen durchs Blech. Nach 10 Minuten ist Abblösung.

Das Fruchtfleisch hinterläßt eine schnell faulende und gärende Schleimschicht auf der Bohne. Wenn wir eine normale Kirsche essen, bemerken wir auf dem Kirschkern auch so einen glitschigen Rückstand, nur ist der beim Kaffee viel dicker und zäher.

Geht man mit der Hand in diesen zähen Brei hinein, fühlt es sich an, wie dick angerührter Tapetenleim.

In diesem Zustand kann der Kaffee nocht nicht getrocknet werden. Er wird erstmal zwei Tage weggestellt, damit die Schleimschicht kontrolliert etwas angären kann. Nach dem Gären hat sich die „mucilage“, wie es auf englisch heißt, soweit zersetzt, daß es fürchterlich anfängt zu stinken. Geht man mit der Hand in diesen zähen Brei hinein, fühlt es sich an, wie dick angerührter Tapetenleim. Danach erst kann der Kaffee mit viel Wasser und Rubbeln gewaschen werden.

Dieses Wasser ist natürlich organisch belastet und sollte nicht in die Flüsse und Bäche gelangen. Die Farmer nutzen es als Dünger, der direkt an die umliegenden Bäume gekippt wird. Das ist Teil des organischen Anbaus, für den die GUMUTINDO-Farmer ein Zertifikat haben. Auch die Fruchtschale wird zu Dünger verarbeitet.

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