Rösters Reise-Reportage

Völlig erschöpft kommen wir an die Straßenbiegung am Eingang von Buginyanya. Rechts ab ein kurzer Weg führt direkt zur Farm seiner Tochter Oliva. Die ist schwer beschäftigt. Wahrscheinlich kam ihr auch der Regen in die Quere. Trotzdem werde ich als Gast erstmal versorgt, darf mit meinen Schlammstiefeln in die gute Stube und bekomme eine Thermoskanne Tee.

Daniel stapft unverdrossen weiter und holt den Farmer, bei dem ich heute unterkommen soll. Es dauert noch über eine Stunde, bis die beiden dann erscheinen. Mittlerweile ist es gegen sechs Uhr. Die Dämmerung bricht schon herein. Wir waren über acht Stunden unterwegs.

Dass es zu dieser Zeit nachmittags noch solche Regengüsse gibt liegt am Klimawandel. Während der Kaffee-Ernte war früher besseres Wetter. Vor allem, um den geschälten, fermentierten und dann gewaschenen Kaffee auch trocknen zu können braucht man verläßlich Sonnenschein. Das wird mir in den nächsten Tagen hier oben deutlich vor Augen geführt.

Aber erstmal ist jetzt Gibson da und bringt mich zu sich nach Hause, wo seine Frau Mary schon auf uns wartet. Wir gehen noch gut 20 Minuten zu Fuß, zuletzt etwas bergab bis zu seinem Haus. Auch hier oben auf 2000 Meter Höhe ist wieder eine Terasse am Berg wie in Kamu, ein gut Teil der Farmer hat es also einfacher mit dem Hausbau und der Trockenfläche davor.

Angekommen sehe ich seine Frau zunächst nicht, man hört sie nur in der Küche werkeln. Nach der ausführlichen Begrüßung und daß er „stolz ist, mich als Gast beherbergen zu dürfen“, taucht die Frau Mary mit einem Tablett auf und begrüßt mich, indem sie vor mir niederkniet und mir bei gesenktem Kopf die Hand reicht. Ich bin verwirrt – hatte ich nicht von der durchgreifenden Genderarbeit bei GUMUTINDO gelesen, und jetzt sowas? Mary ist sogar in der Leitung der Gruppe Buginyanya. Zwei Jahre später werde ich sie wiedersehen und sie hat dann ein völlig verändertes Auftreten. Die Zusammenarbeit mit Oliva Kishero in der Leitung hat sie gestärkt. Wir begrüßen uns mittlerweile mit Handschlag und sie hält sich nicht künstlich zurück, wenn ihr Mann mit mir redet. Mir scheint auch ihre Frisur und Kleidung ist etwas schicker geworden. Die Entwicklung der Frauenrechte hat in Europa auch nicht an einem Tag stattgefunden. Inzwischen bin ich bei der vorschnellen Einordnung bestimmter Beobachtungen etwas vorsichtiger geworden.

Nach dem Essen und einer knappen Wäsche im Plastikzuber unter freiem Himmel falle ich wie ein Stein ins Bett.

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