Rösters Reise-Reportage

 

Mounting mit Daniel Namudoto

Ein halbes Jahr später werde ich dieselbe Strecke nicht so komfortabel mit Allrad und Fahrer zurücklegen.

Es ist November 2013 und die Kaffee-Ernte ist in vollem Gange. Zufällig ist der greise aber quicklebendige Gründervater Daniel in der Kaffeefabrik und nimmt mich mit. „Mounting“- wie sie immer sagen, wenn es hoch auf den Berg geht.

Zuvor erlebe ich noch, wie er eine Ansprache im Büro hält und all die studierten Angestellten ehrfürchtig zuhören. Er ist sehr klein, drahtig und strahlt eine unglaubliche Energie aus. Dabei ist er ständig am Lachen.

Wir nehmen ein Boda (zu dritt mit Fahrer) und steuern den Matatu-Sammelplatz an. Das sind Kleinbusse meist japanischen Ursprugs, die eigentlich nur für 14 Personen zugelassen sind. Oft werden über 20 Leute transportiert. Ist der Fahrer Moslem sieht man das deutlich an allen mögliche Aufschriften. Einmal erlebte ich, wie während der Fahrt aus dem Radio eine längere muslimische Predigt erschallte. Niemand beschwerte sich. Der alltägliche Mischmasch aus Christen aller Couleur und Moslems funktioniert. Hoffentlich bleibt es dabei.

Überall wo Daniel auftaucht ein großes Hallo und wir quetschen uns ganz hinten auf die Bank. Nach einer knappen Stunde sind wir wieder in Kamu, es ist wieder Mittwoch und der Markt in vollem Gange. Aber es hat stark geregnet. Die Straßen sind derart verschlammt, daß der Bus keine Chance hat sich durch Kamu zu schlängeln. Alle steigen aus, nur ich sitze noch drin und draußen ächzen zwanzig Mann, um das Fahrzeug um 180 Grad zu drehen, damit es wieder nach unten abstarten kann.

Jetzt sehe ich, was in Daniels Plastiktüte ist, die er neben seinem schicken Aktenköfferchen trägt: Gummistiefel. Unentbehrlich, um zu Fuß weiterzukommen. Ich hab glücklicherweise meine Bergstiefel an, bin aber ziemlich bepackt und los geht’s raus aus Kamu mit einiger Steigung bis zum Ort Kibanda.

Unterwegs ereilt uns ein kräftiger Regenguß. Wir müssen uns für 20 Minuten unterstellen. Danach ist der Zustand der Straße nicht eben besser geworden. Ich bin schwer am schnauben und verfluche einige Dinge im Gepäck, die ich jetzt für überflüssig halte. Daniel erklärt mir: „Ja, du mußt jeden Tag deine Schenkel trainieren, immer laufen …“.

Oben über der steilen Felswand vor uns liegt Buginyanya.
Aber es sind immer noch einige Kilometer, weil sich die Straße in Serpentinen um den Berg herum hochschlängelt.

In Kibanda legt Daniel endlich eine Pause ein, wir gehen in eine Kneipe am Trading-Center und essen Matoke mit gestampften Bohnen und etwas Fleisch. Oben über der steilen Felswand vor uns liegt Buginyanya. Aber es sind immer noch einige Kilometer, weil sich die Straße in Serpentinen um den Berg herum hochschlängelt.

Die Kneipe erinnert an eine Westernstadt mit Vordach und hölzerner Terasse. Darauf unzählige Frauen, häufig mit Kindern, die frische Kaffeekirschen sortieren. Danach wird gleich von Hand mit einer kleinen Maschine „gepulpt“, also das Fruchtfleisch, die Pulpe, abgeschält. Die schleimigen Pergaminobohnen sammeln sich im Bottich und werden zum Fermentieren weggestellt. Es ist das erste Mal, dass ich sowas sehe. Sofort wird gefilmt und alles fotografiert.

Um weiterzukommen sucht Daniel zwei besonders kräftige Bodas aus und los geht’s. Aber wir kommen auch damit nicht weit. Es ist eine fürchterliche Gurkerei. Wir steigen ab und gehen doch wieder zu Fuß. Jeder Schritt quietscht im Schlamm, ständig rutscht man zurück.

bitte weiter blättern