Rösters Reise-Reportage

Nach einer geschlagenen Viertelstunde haben unsere Leute den Ranger endlich bequatscht. Ich hab kein Wort verstanden, weil alles in Luganda und anderen Sprachen ablief.  Nach mehrmaligem Abzählen werden wir reingelassen. Ob er den Besuch wohl in seinem Buch dokumentiert?

Wir inspizieren die Bienenstöcke und steigen dann steil hoch zu einem Aussichtspunkt, der mir den Blick über das Gelände erlauben soll. Collins, der, so scheint es, so wie ich zum ersten mal hier den Park betritt, macht sich Sorgen, denkt an die Auseinandersetzungen  und bemerkt: „Ey, das ist riskant, sehr riskant!“

Wir sehen weit bis zum gegenüberliegenden Talhang, wo die Grenze zwischen den Feldern und dem Nationalpark wie mit einem Lineal gezogen erscheint.

„Da hinten“, sagt Samuel, „dort gibt es Bambus“ und zeigt ins Innere des Parks. Die Bambusspitzen sind eine traditionelle Leckerei am Berg, aber hauptsächlich im Park zu ergattern. Drei Kilometer sind es bis dort – das kann nur illegal geschehen. Von Maria aus dem Qualitätsmanagement der Kaffeefabrik hatte ich den dringlichen Auftrag mitbekommen, solche Bamboo-Shots vom Berg mitzubringen. War aber nichts zu machen. Sie bekam stattdessen, etwas enttäuscht,  eine Portion wilden Waldhonig.

Die Tour mit Collins endet bei Oliva Kishero, der Tochter von Daniel. Sie kommt direkt aus dem Stall und fragt ob sie sich nicht ein sauberes T-Shirt anziehen soll, wegen dem Video-Interview. Ich verneine energisch, will die Leute nicht in Pose zeigen, sondern aus dem Leben gegriffen. Genau so spricht sie dann ins Mikro und erzählt ihre Geschichte.

  Siehe Video-Interview mit Oliva Kishero

Ich fahre mit Collins wieder runter in die Ebene. Unterwegs werden wir von einer Schranke gestoppt. Sehr provisorisch ist ein krummer Baumstamm über zwei Astgabeln gelegt, ein paar Leute stehen herum und winken. Ich mache mir schon Sorgen, was da los sein könnte,  aber Collins reagiert nur genervt. Um sich etwas Geld zu verdienen bessern Anwohner schlechte Stellen an den Straßen aus und markieren sie mit solchen Schranken. Man soll dann einen kleinen Obulus entrichten. Collins verweigert jede Spende. Ihm passiert das zigmal am Tag.  Ich steige aus und mache ein paar Fotos.

Wir gehen in der Kaffestadt Mbale im Imbiss etwas essen. Als wir fertig sind kassiert er einen Strafzettel wegen Falschparken und schimpft wie ein Rohrspatz. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen an einer Tankstelle in der Nähe des SALEM-Dorfes für den zweiten Tag.

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Der nächst Abschnitt macht einen Zeitsprung. Ein halbes Jahr später reise ich  gezielt im November 2013 zur Kaffee-Ernte.

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