Rösters Reise-Reportage

Wir wollen in den Park – garnicht so einfach

Wir fahren weiter Richtung Nationalpark. Der Mount Elgon ist UNESCO-Biosphärenreservat, dessen Gebiet knapp über 2000m Höhe beginnt, direkt oberhalb  des Arabica-Anbaus. Weltweit stehen die Kaffee-Farmer wegen des Klimawandels unter dem Druck in höhere Lagen auszuweichen. Die globale Erwärmung schleicht von unten die Berge hoch. Schlecht für die Qualität des Arabica und mit Aussicht auf mehr Schädlingsbefall und Kaffeekrankheiten. Diesen Zusammenhang erläuterte am 1. Oktober 2015 der renommierte Klimawissenschaftler Jeffrey Sachs aus New York vor dem „World-Coffee-Council“ in Mailand und belegte es mit mannigfachen Beispielen aus dem gesamten Kaffeegürtel, der sich jeweils 25 Grad nördlich und südlich des Äquators erstreckt. Die Kaffeewirtschaft ist mittlerweile aufgeschreckt vom Klimawandel und den zum Teil verheerenden Aussichten in der Zukunft. In Brasilien (30% der Welternte) wird eine erhebliche Reduktion der möglichen Anbaufläche befürchtet – auf 10 Prozent der bisherigen Fläche.

Es gibt gewisse Konzessionen der Parkverwaltung:
Zweimal die Woche darf unten liegendes Feuerholz gesammelt werden. Das war nicht immer so.

Wir stehen am Eingang dieses für den Tourismus in Uganda als zentral angesehenen Parks, der keinen Spielraum nach oben für den Kaffeeanbau läßt. Die Bagisu, die jetzigen Kaffeefarmer in Buginyanya, lebten früher „in the forest“ – wie mir Daniel sagt, „das war unser Land“. Er wurde  dort geboren, kurz bevor die Engländer 1935 die Parkgrenzen errichteten und die Leute vertrieben. Am gesamten Berg herrscht eine Art Kleinkrieg um den genauen Grenzverlauf. Der Anthropologe Connor Cavanagh, der lange Zeit hier Feldforschung betrieb, nennt es „Guerilla-Agriculture“.

Ganze Gebiete wurden den inzwischen sesshaft Gewordenen wieder entrissen durch eine Neuvermessung der Grenzen. Eine holländische Firma betrieb etwas weiter nördlich Aufforstung im Rahmen des Carbon-Zertifikate-Handels, der es industriellen europäischen Klimasündern erlaubt, ihren Ausstoß beizubehalten, wenn sie als Ersatz dafür eine „Carbonsenke“ am Mount Elgon durch Aufforstung errichten lassen.

Einer der Farmer positioniert sich für ein Foto direkt neben einem der großen Grenzsteine. Deutlich erkennt man sein Bohnenfeld als zum Park gehörig. Die Stümpfe der gefällten Bäume sind noch zu sehen. Er hat an dieser Stelle den Kleinkrieg gewonnen. Seine Bohnen wachsen unangefochten. Ich frage Collins, was geschähe, falls den Farmern die kleinen Parzellen wieder genommen würden. „Dann gibt es Tote“, sagt er. „Die Ranger, die den Park bewachen hier oben, sind den Farmern wegen fehlender Ortskenntnisse und bei Dunkelheit hoffnungslos unterlegen.“

Zwei Kinder kommen neben der Schranke aus dem Park mit Holzstapeln auf dem Kopf. Es gibt gewisse Konzessionen der Parkverwaltung zur Nutzung durch die Einheimischen: Zweimal die Woche darf unten liegendes Feuerholz gesammelt werden. Das war nicht immer so.

Der einzige Ranger hier oben, der den Park bewachen soll, wurde vor einer Woche von Farmern mit Macheten malträtiert. Er wirkt völlig eingeschüchtert. Wir sind eine ganze Gruppe, dazu noch ein Weisser mit Kamera dabei. Was soll er tun? Die Farmer, die gleichzeitig auch „Bee-Keeper“ sind (Imker), haben einige ihrer Bienenstöcke am Rand des Parks in den Bäumen untergebracht. Das wird geduldet. Die Wildbienen besiedeln nur Stöcke, die mindestens fünf Meter hoch hängen. Später dann können sie niedriger gesetzt werden. Die Bienen gewöhnen sich dann daran.

Die Imkerei ist wichtig für die Bestäubung des Kaffees, erhöht die Produktivität der Bäume und gleichzeitig liefern sie Honig, den man selbst nutzen oder verkaufen kann.

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