Rösters Reise-Reportage

Nach gut 20 Minuten sind wir in Buginyanya angekommen. Eine Gruppe Kaffeefarmer erwartet uns. Darunter Daniel Namudoto, ein anerkannter „Chief“, der, 1935 geboren,  in seinem hohen Alter höchste Anerkennung genießt. Er hat GUMUTINDO (das heißt wörtlich: „Gute Qualität“) mit gegründet und seine Tochter Oliva ist hier oben Vorsitzende der „Primary Society“ Buginyanya und gleichzeitig gewähltes Mitglied im „Board“ (Vorstand)  der Gesamtgenossenschaft mit 10 500 Mitgliedern (Stand 2016). Ein Hinweis auf die gewaltige Rolle, die die Frauen im Rahmen der Genossenschaft inzwischen spielen. Umso erstaunlicher, weil es traditionell den Frauen verboten ist Kaffeepflanzen und Land überhaupt zu besitzen – noch damit zu handeln. Am Ende der Tour mit Collins werde ich Oliva Kishero sprechen und sie sagt mir in’s Mikrophon, daß Frauen ihren Kaffee nur unter dem Namen ihres bisweilen verstorbenen Mannes verkaufen konnten. Eine Praxis mit der die Fairtrade-Kooperative gründlich aufgeräumt hat: Die Männer haben zum großen Teil die Hälfte ihres Landes den Frauen überschrieben und der „Frauen-Kaffee“, wie er genannt wird, ist von höchster Qualität. Und das „weil sie Mütter sind“, wie mir Oliva unumwunden versichert. Der Frauen-Kaffee wird in England mit dem Label „Womens Coffee“ als Fairtrade-Marke erfolgreich angeboten.

Der Rundgang durch den Ort zeigt die Siedlungsweise: Die kleinen Gehöfte mit ca. 2 Hektar Land und durchschnittlich 200 Kaffeebäumen liegen verstreut inmitten der Felder. Etwas, das man Ortskern nennen könnte, fehlt. Nur ein kleines Trading-Center gibt es an der Hauptstraße.

Teils in steilen Lagen ist der Platz für die Häuser dem Berg durch eine Terasse abgetrotzt. Gerade noch Platz davor, um den Kaffee zu trocknen. Hier oben arbeiten Ökospezialisten der Kooperative, die den Farmern beibringen, wie sie mit Hilfe einheimischer Pflanzen Pestizide herstellen. Chili wird verwendet, der Tephrosia-Baum, Kuhdung und allerlei Zubereitungen, die, zum Teil mit Asche versetzt, eine Woche lang gären müssen, damit sie ihre Wirkung entfalten können. Auch die Blätter der Tithonia-Pflanze werden eingesetzt. Sie helfen auch den Menschen gegen Malaria. Erfolgreich behandelte Bäume, die vom „Coffee-Stem-Borer“ (Kaffeestammbohrer)  befreit wurden, werden mir gezeigt. Sie sind wieder gut in Schuß.

Bohnen wachsen zwischen den Kaffeebäumen und liefern Stickstoff, die Matoke-Bäume geben Schatten und Nahrung. Es gibt Mais, Cassava und Maniok (Wurzelgemüse), Kohl, Passion-Fruit, Mango. „Wir haben von Anfang an auf organischen Anbau gesetzt“, sagt Daniel. Was für den angrenzenden Nationalpark auch nicht von Nachteil sein dürfte.

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