Rösters Reise-Reportage

 

Rauf auf den Berg

Am nächsten Morgen sitze ich mit mit Collins Assiandu im stabilen Geländewagen mit Vierrad-Antrieb. Trotzdem werden wir oben an einer steilen Stelle aussteigen und 6 Leute werden schieben müssen, um weiterzukommen.

Man fährt etliche Kilometer am Fuß des Massivs entlang nach Norden und hat den herrlichen Blick auf das Vorgebirge.

Der erloschene Vulkan Mount Elgon hat derartige Ausmasse, dass man die weiter innen liegenden höchsten Gipfel (4300m) nur sehr selten zu sehen bekommt. Vierzig Kilometer breit und achtzig Kilometer lang, direkt geteilt durch die Grenze zu Kenia. Der halbe Berg gehört zum Nachbarland. Vulkanböden sind bevorzugte Kaffee-Gebiete. In beiden Ländern wird intensiv die Hochlandsorte Arabica angebaut.

An der „Simu-Corner“ – ein kleiner Flecken, die hier immer „Trading-Center“ heißen, weil es ein paar Geschäfte gibt – biegen wir Richtung Berg ab. Es wird immer grüner, die Felder dichter und vielfältiger. Es springt in’s Auge, daß die Leute am Berg neben Kaffee eine produktive Subsistenzwirtschaft betreiben können. Langsam haben wir Höhe gewonnen und der Blick auf die flache Tiefebene Mittelugandas wird möglich. Die ist immerhin schon tausend Meter hoch. Da unten wird die Kaffeesorte Robusta angebaut, die stellt 80% der Kaffeeexporte Ugandas.

Immer steiler wird die Straße, die Serpentinen beginnen und man ahnt, wie der Bau der Straße dem Fels abgerungen wurde. Kurz vor dem Ort Kamu (1400m) erreicht man eine flachere Terasse – so ist der Berg strukturiert.

Mittwochs ist dort immer Markt und wir fahren durch einen unglaublich lebhaften „African-Market-Place“. Die ganze Zeit über kamen uns schon Laster entgegen – voll mit grüner Matoke, die Essbanane.

Sie ist Grundnahrungsmittel, wird mit dem Messer geschält und gibt gekocht eine Art steifen Kartoffelbrei. Die LKWs sind zusätzlich immer beladen mit Menschen obenauf. Manchmal 10, 15 oder 20, die den Transport als günstige Glegenheit nutzen, in’s Tal zu kommen. Selbst aus dem 250km entfernten Kampala kaufen Händler wegen der guten Qualität hier ein. Alles öko, was von hier kommt.

Kaum haben wir den Ort verlassen, hält er an, um mir die Stelle eines verheerenden Bergrutsches zu zeigen.

Im Schritttempo sucht sich Collins den Weg durch’s Gewühl und die parkenden Laster. Kaum haben wir den Ort verlassen, hält er an, um mir die Stelle eines verheerenden Bergrutsches zu zeigen. Es geschah zwei Jahre zuvor und man kann über uns die Stelle des Abgangs noch deutlich sehen. Mehrere dutzend Menschen kamen zu Tode. Hütten, Felder, Vorräte – alles begraben. Ein typischer Fall mittlerweile, weil der Klimawandel im Herbst heftigeren Starkregen bringt, der länger andauert und die durch Entwaldung angreifbaren Hänge aufweicht. Ein Teufelskreis: In der Ebene sind Überschwemmungen und Schädlinge für die Landwirtschaft schon deutlich ausgeprägter durch die Erwärmung: 50 Prozent der Robusta-Bäume waren in den letzten Jahren Opfer eines Schädlings („Coffee-Wilt-Desease“). In der Folge kommen mehr Leute auf den Berg, bauen sich Hütten, brauchen Feuerholz. Das begünstigt die Bergrutsche.

Ab einer bestimmten Höhenlage spielt Malaria keine Rolle mehr, die Anopheles Mücke verschwindet. Auch das ein Grund, sich am Berg anzusiedeln. 2012 gehörte Uganda zu den 20 Ländern mit den meisten Malariaerkrankungen weltweit. 25 000 Fälle pro 100 000 Einwohner. Viele geschwächte Kinder sterben, bis zu 320 Malaria-Tote pro Tag. Am Berg ist das kaum ein Problem.

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