Carbonhandel / Klimazertifikate: Eine Übersicht

Der Handel mit Klimazertifikaten basiert auf dem Kyoto-Protokoll, beschlossen 1997 und in Kraft getreten 2005. Die marktbasierte Idee dahinter ist, durch Handel mit Emissionsrechten den Ausstoß von Klimagasen an der günstigsten Stelle zu reduzieren. Das Modell bewirkte, daß Industrieländer ihre CO²-Emissionen beibehalten können, wenn sie zum Ausgleich Massnahmen wie Aufforstung in Entwicklungsländern finanzieren.
Dafür wurde u.a. der Mechanismus
R eduction of   E missions by  D eforestation and  D egradation eingeführt – kurz REDD+ genannt.

Das führt systematisch zu einem Bestandsschutz für klimaschädliche Produktion und Energieerzeugung. Die Idee wird flankiert mit Vorstellungen von „Grünem Wachstum“ und „Green Economy“, bei dem die Global Player weiter am Drücker bleiben – beispielhaft sind die Projekt des Agrobusiness zur Entwicklung ländlicher Räume in Entwicklungsländern. Dabei stehen globale Saatgutmonopole gegen die Interessen der Kleinbauern, die Subsistenzwirtschaft betreiben und lokal/regional Handel treiben.

Der REDD-Monitor

Das Blog-Portal REDD-Monitor von Chris Lang verfolgt diese Entwicklung akribisch und dokumentiert wöchentlich Meldungen darüber.  Im Wochenüberblick  REDD in the news: 11-17 January 2016 wird z.B. berichtet, welches Ausmass der Carbonhandel bereits erreicht hat: Er hatte 2015 ein Volumen von 48,4 Milliarden €uro.

open / close Originaltext Englisch auf REDD-Monitor

Carbon-Konflikte

Da mich hier besonders die Entwicklung in Afrika(Uganda) interessiert ist ein weiterer Artikel von Chris Lang interessant. Er bespricht dort eine Veröffentlichung mit dem Titel Carbon Conflicts and Forest Landscapes in Africa. Die Studie ist leider nicht online frei verfügbar.

Besprechung der Studie auf REDD-Monitor u.a. auch mit Video web

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Inhaltsverzeichnis Carbon Conflicts and Forest Landscapes in Africa

Das sagen die Nichtregierungsorganisationen

Deklaration von Durban

In der Deklaration von Durban (Südafrika) 2004 haben hunderte von NGOs dem Versuch widersprochen, das Schicksal des Klimas und damit das Schicksal unserer Erde, den neoliberalen Marktmechanismen zu überantworten:

Es hat Versuche gegeben, Land, Nahrung, Arbeit, Wälder, Wasser, Gene und Ideen in Waren zu verwandeln.

Der Carbon-Handel folgt dieser Logik und verwandelt den Kohlenstoffkreislauf der Erde in Privateigentum zum Kauf oder Verkauf auf einem globalen Markt.

Durch diese Verwandlung in eine neue Ware wird die Fähigkeit unserer Erde ein Klima im Einklang mit den Menschen und der Gesellschaft zu gewährleisten genau in jene Hände gelegt, die zuvor das Klima zerstört haben.(Übersetzung A.K.)

Das sagt die Website Bundesumweltministerium:

Verschmutzung kann man kaufen

Der Emissionshandel ist ein marktwirtschaftliches Instrument, mit dem das Klima geschützt werden soll.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Treibhausgas-Emissionen emissionshandelspflichtiger Anlagen werden auf eine Gesamtmenge […] begrenzt und in Form handelbarer Rechte (Berechtigungen) ausgegeben.

Wer die Luft mit Treibhausgasen belastet, benötigt hierzu Rechte.

Website Bundesumweltministerium abgerufen am 04.11.2013